Gestraid Dörflein am neuen Sehe

ann genau die ersten Siedlungen im jetzigen Gebiet von Neuensee entstanden sind, lässt sich mit genauer Sicherheit nicht mehr feststellen. Die Entwicklung beschränkte sich anfangs nur auf die natürliche Mehrung der ,,Sippen und Geschlechter". Die erste urkundliche Erwähnung von Neuensee war im Jahre 1489. Damals wurde es als „gestreutes Dorf" am Neuenseer Weiher bezeichnet. Es waren drei Sippen vorhanden, sie sich bis zum Jahr 1555 nicht außergewöhnlich vermehrt haben. Allerdings hatten die Selden (= Kleingüter) bereits um 5 zugenommen.

Die erste Siedlung am See bestand allerdings schon vor über 3000 Jahren. Einige Selden haben sich wohl um die Mühle, dem wahrscheinlich ersten Lehen, gruppiert. Insgesamt wurden drei Lehen erwähnt, von denen zwei am See lagen. Den Beweis hierfür liefern die Funde in den Hünengräbern am sog. „Roten Hügel".

Um das Jahr 1500 herum bestand das Bestreben, neuen Lebensraum zu schaffen. Dies hatte zur Folge, dass überall große Waldgebiete gerodet wurden. Die hierbei entstandenen „Reuten" unterstanden als sog. Forstlehen dem Forstmeister von Lichtenfels. In der damaligen Zeit suchten die Menschen nach Möglichkeiten die Nahrung aufzubewahren und sich beispielsweise aus den gefangenen Fischen einen Vorrat anzulegen. Dazu wurde ein Stück des Bieberbaches mittels Dämmen abgeteilt. An dieser Stelle liegt heute der ca. 23 Hektar große Neuenseer Weiher der mit seinem Teichsystem von ablassbaren Wasserbehältern und Zuleitungskanälen noch immer zur Aufzucht und zum Abfang von Fischen verwendet wird.

1513 fand Neuensee erstmals als „Weyler" im Forst Erwähnung. Damals gab es nur wenige Höfe. Grund dafür war, dass die meisten Teile des heutigen Gemeindegebietes noch bewaldet waren. Es unterstand dem Stift Bamberg und damit dem Bischof. Zur damaligen Zeit war Neuensee reiß-, und steuerfrei. Es unterstand außerdem dem Kastenamt Lichtenfels. Folglich wurden alle Lehen von dort vergeben und auch der Lehenseid war dem dortigen Kastner zu leisten.

1571 hatte sich Neuensee bereits zu einem „gestraidt Dörflein am neuen sehe" entwickelt. Es war weiterhin weder zentbar noch reißbar und brauchte dadurch weder einen Zent zu leisten noch Soldaten zu stellen. Die Obrigkeit lag weiterhin bei Lichtenfels.

m Jahre 1600 betrug die Zahl der Selden bereits 18 Stück. Diese positive Entwicklung wurde allerdings durch den dreißigjährigen Krieg unterbrochen. Ab 1674 gehörte es mit der niederen Gerichtsbarkeit in die Zent „Graitz".. Diese Änderung wurde hervorgerufen durch die fortschreitende Mehrung und Entwicklung der vorhandenen Siedlungen. Als Pfarrei war es Marktgraitz zugehörig.

1746 grenzt das Dorf an den fürstlichen Wald (die „Göritzen" genannt), an Michelau und an Schney. Die Jurisdiktion unterliegt dem Hochstift Bamberg. Der Kirchweihschutz wird jedes Jahr vom Kastenamt verkündet. Ebenso hat dieses das Recht, die Gemeinderechnungen abzuhören. Burgkunstadt ist zwischenzeitlich für die Zent zuständig und gehört zur Pfarrei Graitz und damit dem Bischof von Würzburg.

Zu Beginn des 19 Jahrhunderts zählte Neuensee bei der ersten Feststellung durch die Musterungsbehörde 23 Häuser, in denen 24 Familien lebten. Der Friedhof wurde im Jahr 1902 angelegt und gehörte vier Jahre später zur damaligen Küratie Schwürbitz. Der Bau der Friedhofskapelle erfolgte 1908 ganz aus eigenen Mitteln. Mit dem ersten Strom wurde die Gemeinde Neuensee im Jahr 1912 versorgt. 1928 entstand die erste Wasserversorgungsanlage.
Es folgte der Ausbau der Bergstraße. Danach trat durch den Beginn des 2. Weltkrieges ein Stillstand ein. Der Ortsteil Neuensorg erhielt 1952 seine Selbstständigkeit.

Das schönste Schulhaus stand damals in Neuensee

ereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde vom König von Bayern eine Genehmigung zur Errichtung einer eigenen Schule erteilt. Die Grundsteinlegung der ersten Schule fand am 25.03.1881 auf der „Anhöhe bei der Grießingermühle" statt. Die am „Roten Hügel" befindliche Schule zählte Ende der 20er Jahre 92 Kinder und war damit total überfüllt. Es wurde ein Neubau eines Schulhauses beschlossen, das bereits 1932 fertig gestellt wurde – damals sprach man vom schönsten Schulhaus im Bezirksamt Lichtenfels.

1963 begann der Erweiterungsbau der Schule, der 1964 bezogen werden konnte. Außenanlagen sind angelegt und Schuleinrichtungen verbessert worden. Zur gleichen Zeit entstanden Lehrergaragen mit darüber liegenden Räumen für die Gemeindekanzlei.
1967/1968 schlossen sich Schwürbitz, Lettenreuth und Neuensee zu einer Schuleinheit, dem Schulverband „An der Göritze" zusammen.

Ein Landschaftsschutzgebiet mitten in Neuensee

Die Ortsteile Berg und Anger konnten oft nicht mit Wasser versorgt werden. Dieser Zustand änderte sich 1962, als die Fa. Hofmann ein eigenes Wasserwerk in Betrieb nahm. Im gleichen Jahr hat die Regierung das Gebiet um den Neensee zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Der erste Bebauungsplan „Am Berg" ist 1965 aufgestellt worden. In den Jahren 1965/66 entstand der erste Bauabschnitt der Ortskanalisation. 1971 begann der zweite Bauabschnitt des Abwasserkanals.

Das Kriegerdenkmal bekam 1972 ein würdiges Aussehen. Grundsteinlegung für den Bau der neuen Kirche war am 09.09.1973, die Einweihung erfolgte bereits am 10.10.1974. 1975 wurde mit dem dritten Bauabschnitts des Abwasserkanals begonnen, der 1976 fertig gestellt war. Der VfB Neuensee erhielt im gleichen Jahr ein neues Sportgelände. Zum 01.01.1978 erfolgte im Rahmen der Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Neuensee in die Gemeinde Michelau in Oberfranken.

Viele Jahrzehnte war Neuensee das Dorf der „Klopfer- und Korbmacher". Durch die Eröffnung der Metallwarenfabrik Andreas Hofmann wurde ein völliger Strukturwandel vom Korbmacher- und Bauerndorf zur Industriegemeinde eingleitet.

Letzte Aktualisierung am 10.10.2018 | Impressum